Ansprache von 

Thomas Woodtli,

 

Präsident des Kantonalen Ausschusses BILDENDE KUNST

 

Kuratorium SOLOTHURN

 

 

Lieber Claude, liebe Vernissagegäste

 

Seiner ersten Ausstellung in Solothurn gibt Claude Barbey den Titel „Le printtemps de mon atelier“

 

Ein anderer Titel könnte sein; Es ist ruhig geworden in Monteveccio. Warum komme ich auf diesen Titel, erkläre ich ihnen etwas später.

 

Nicht nur in Monteveccio ist es ruhig geworden, auch in Grenchen ist es ruhiger geworden, als der kreative Haudegen, der kleine Baudirektor oder der müde gewordene Rebell die Bauverwaltung 2014 verliess. 18 Jahre lang hat Claude Barbey mit viel Geschick und manchem Trick zur positiven Wandlung des Grenchner Stadtbilds beigetragen. Der Höhepunkt war sicher der Wakkerpreis, der Grenchen 2008 verliehen wurde.

 

Auch mit viel Geschick und manchem Trick betreibt Claude Barbey seine Kunst. Pröbeln und Experimentieren liegen ihm. Druckgrafik verlange ein gewisses Mass an Vorstellungsvermögen und konkreten Bildvorstellungen sagt mir der Architekt in einem Gespräch in seinem Atelier in Arch. Er sei manchmal auch in bisschen kopflastig war eine Ergänzung.

 

Einiges von dieser Kopflastigkeit hat er abgelegt. In seinem Atelier entstehen seine Holzschnitte, seine Prägungen, seine Collagen, Gum Prints und Monotypien und dies in einem dynamischen Arbeitsprozess mit immer wieder  Neuem und Unerwartetem. Auch der Zufall soll seinen Platz haben, schiebt der Künstler noch ein während dem Gespräch. Ganz wichtig ist für Claude Barbey im richtigen Moment aufzuhören mit einer Arbeit. Manchmal ist weniger mehr. Findet er den richtigen Zeitpunkt nicht, landen Arbeiten im Abfall. Eine Erfahrung mit der er tagtäglich konfrontiert ist.

 

Der Künstler Claude Barbey hat in der Solothurner Kunstszene seinen Platz gefunden. Als Präsident der Visarte Sektion Solothurn nutzt er sein Netzwerk und seine langjährige Erfahrung. Für die Solothurn Kunstschaffenden ein Glücksfall einen solchen Präsidenten zu haben.

 

Es ist ruhig geworden im Monteveccio.

 

Ginsterbüsche, Mandelbäume, Pfirsichbäume und Akazien, Wildkatzen, Füchse , Marder, Wildschweine, Falken, Bussarde, der Bonelli - Adler und zahllose weitere Vogelarten und die grösste Population des vom Aussterben bedrohten sardischen Hirsches: Hier leben sie, in den dichten Wäldern der Costa Verde auf Sardinien.

 

In Monteveccio, dem Zentrum der ehemaligen Bergbauindustrie, jedoch ragen imposante Fördertürme in den Himmel, schlagen hunderte Meter lange, verrottete Förderbänder Schneisen in die Landschaft, riesige Abräumhalden kleben an den Berghängen.

 

In Monteveccio wurde ab 1848 etwas 100 Jahre lang industriell Blei, Silber und Zink abgebaut. Doch seit der letzten Minenschliessung im Jahre 1991 ist Ruhe eingekehrt im ehemaligen Bergarbeiterdorf. In vielen der alten Arbeiterheimen sind heute Sozialwohnungen untergebracht, die Plätze und breiten Strassen sind wie leergefegt, das kleine Postamt hat noch drei Stunden am Tag geöffnet.

 

Im prachtvollsten Gebäude des Dorfes, dem ehemaligen Direktionsgebäude ist ein kleines Museum untergebracht: Hier gibt es Szenen aus dem Leben der Bergarbeiter zu sehen, in der Technikabteilung ist ein Schaufelbagger ausgestellt, der in den Minen von Monteveccio entwickelt wurde. Der Schwermaschinenhersteller Atlas Copco hat das hier entstandene Minenfahrzeug an Bergwerke in der ganzen Welt verkauft.

 

Einige der ehemaligen Bergwerksanlagen sind heute zu besichtigen. Kleine Vereine und Verbände versuchen Teile der Anlage der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber auch ein Streifzug mit dem Auto auf den Holperstrassen durch das ehemalige Bergbaugebiet hat seinen Reiz.

 

Immer wieder schlängeln sich Förderbänder durch die Täler, ragen Fördertürme in den stahlblauen Himmel, glitzern Wasserreservoirs und ehemalige Wasch - und Vorsortieranlagen im Sonnenlicht. Doch es ist ruhig geworden in Monteveccio.

 

So erobern Ginsterbüsche, Mandelbäume, Wildkatzten, Wildschweine und Hirsche langsam aber sicher ihr Revier an der Costa Verde zurück.

 

Und genau diese Stimmungen hat Claude Barbey während einem Sardinienaufenthalt eingefangen und festgehalten.

 

Zu Hause in seinem Atelier in Arch, hat er sein Material gesichtet und sortiert um dann mit seinen ihm  vertrauten Techniken in Bilder umzusetzen. Dabei entstanden neue Architekturen. Es sind Momentaufnahmen die in eine neue Welt gesetzt werden. Erinnerungsfragmente. Der Architekt setzt neu zusammen. Die Bilder werden Teil der eigenen Erinnerungen und Geschichte.

 

Neue Welt nannte Wolfgang Tillmanns seine Ausstellung in der Kunsthalle

 

Zürich. Dieser Titel ruft den 1928 erschienen Bildband von Albert Renger in Erinnerung, in dem er mit 100 Fotographien den Zustand der Welt in Motiven wie Pflanzen, Menschen, Landschaft, Architektur, Maschinen und Industrieprodukten darstellt. Genau das versucht Claude Barbey auch zu machen. Wo er als Stadtbaumeister , zwar auch mit Fantasie und grossem Geschick, planen und genau ausführen musste, entwickelt er auf dem Papier eben Neue Welten, neue nicht existierende Architektur. Der Fantasie sind nun keine Grenzen gesetzt. Die Gesetzmässigkeiten etwas anders - unwichtig. Der Künstler spielt auf dem Papier, setzt neu zusammen, collagiert und überdruckt. Er schafft neue Räume, Tiefen und neue Perspektiven.

 

Es ist farbig geworden in Monteveccio. Claude Barbey macht es möglich.

 

Sind wir doch gespannt was für fantastische Architekturen in den nächsten Jahren noch entgehen werden. Der müde gewordene Rebell ist wieder erwacht - und das ist gut so.

 

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit und dir Claude wünsche ich eine erfolgreiche Ausstellung.

 

Claude Barbey

Höheweg 40

CH- 2502 Biel/Bienne

 

claude.barbey@hispeed.ch